Kann das weg?

Ist hier noch irgend jemand? Hier ist ja (schon wieder) ewig nichts passiert, schämen sollte ich mich. Es hagelt ja jetzt überall Jahresrückblicke, und ich dachte mir, es wäre mal an der Zeit wieder von uns hören zu lassen. In aller Kürze: 2016 kann dann jetzt weg. Tschüss. Auf wiedersehen. Aber lest selbst …

Die gute Nachricht zu erst: wir leben alle noch. Und jetzt kommt der ganze große Rest… Kurz nach dem ich verheißungsvoll verkündete, dass ich wieder am Leben bin, startete das Wunderbaby in seinen ersten Krankenhausaufenthalt. Wir haben relativ harmlos angefangen, nämlich mit einem krankhaften Reflux – das Wunderbaby hatte furchtbares Sodbrennen – und so kam es, dass nach diesem Aufenhalt alles besser wurde. Er bekam etwas gegen die Schmerzen und stellte das Schreien nahezu gänzlich ein. Uns allen ging es von da an wunderbar, auch Maritz wurde wieder etwas ausgeglichener. Und dann, nur zwei Wochen später, erhöhten wir den Schwierigkeitsgrad schon mal ein wenig: Maritz brachte Fieber, Husten, Schnupfen und eine Bindehautentzündung mit nach Hause. Das Wunderbaby bediente sich, optimierte das Ganze etwas, und landete im Alter von 2,5 Monaten mit einer schweren Bronchitis für eine weitere Woche im Krankenhaus. Und das Übel nahm seinen Lauf … leider erholte sich die kleine Lunge nie ganz davon. Unser Wurm giemt und pfeift seither fürchterlich und strengt sich hör- und sichtbar beim atmen an. Er gedeiht jedoch wunderbar (er befindet sich nach wie vor wirklich jenseits jeglicher Perzentilen …), und es schien ihm trotz der Atemproblematik ganz gut zu gehen. Wir tingelten wenig erfreut von Arzt zu Arzt, schraubten an der Medikation rum, und hofften es würde vorüber gehen. Nach ca. drei Wochen mit Salbutamol und Cortison bildeten wir uns eine leichte Besserung ein, und dann kam, was kommen musste: der nächste Infekt stand ins Haus …

… Maritz ging es ganz grausig. Er fing an wie verrückt zu husten, dann bekam er hohes Fieber, fing an zu giemen und pfeifen, weinte viel und fand keine Ruhe, auch dann nicht, wenn das Fieber gesenkt wurde. Wir waren schon etwas nervös, aber plötzlich ging es wieder bergauf. Das mulmige Gefühl, dass sich das Wunderbaby wohlmöglich anstecken könnte, machte uns zu schaffen. Nicht unbegründet. Kurz darauf fing das kleine große Bündel an zu husten, zu schniefen und zu jammern. Pfeifen und giemen tat er ja sowieso. Und dann, am Abend des 21. Dezembers und damit wenige Stunden vor Maritz‘ Geburtstag, war sein Zustand nicht mehr tragbar. Er hatte Atemaussetzer, die sich gewaschen hatten, presste, giemte, pfiff, jammerte und wimmerte, war kaum wach zu bekommen und stellte das trinken ein. Wir waren doch am Vormittag noch beim Arzt! Wir fackelten nicht lange und packten in Windeseile eine Tasche, uns war klar, dass er nicht nach Hause dürfte. Nicht mehr an diesem Abend. Und dann der worst case für seine angeschlagenen Atemwege: RSV. Das war dann wohl der Endgegner – im ersten Level jedenfalls. Nach sechs langen Tagen Krankenhaus-Quarantäne, und das alles über Maritz‘ Geburtstag und Weihnachten, kam das Wunderbaby wieder nach Hause. Natürlich ist er noch lange nicht gesund, RSV ist eine wirklich fiese, gemeine, gruselige, langwierige Sache, er hustet und schnupft ganz schlimm, und dem giemen & pfeifen widmen wir uns dann 2017 wieder (geplant war eine Bronchoskopie und wasweissich, aber mal sehen, lassen wir ihn erstmal gesund werden. Oder versuchen es zu mindest.). Nur einige Stunden nach der Rückkehr, holte ich Maritz mit fast 40 Fieber aus dem Bett – ich muss nicht erwähnen, dass mir der Ar*** wirklich auf Grundeis ging. Zum Glück (ja, das ist gemein, ich weiss!!) ist es „nur“ eine Blasenentzündung. Die nächste Erkältung kommt bestimmt – keine Frage, und die erste erkältete Person war leider schon hier – aber ich hoffe inständig, dass es nicht morgen ist. Und nicht übermorgen. Und wenn sie kommt, müssen wir alle ein bisschen hoffen, dass das Wunderbaby es irgendwie einigermaßen verkraftet. Ich bin wirklich erschöpft, wenn ich in einer Nacht insgesamt fünf Stunden Schlaf bekomme – am Stück ist daran sowieso nicht zu denken – ist das viel. Aber bisher schaffe ich es jeden Morgen, wieder aufzustehen. Und vor allem auch die schönen Momente zu sehen, die jeder Tag für uns bereit hält.

Ich bin in erster Linie dankbar – 2016 hat uns eine neue Wohnung gebracht, sehr viele schöne Momente bereit gehalten und uns unseren zweiten Sohn geschenkt. Seine Geburt war wunderbar, ein tolles Erlebnis, das mich mit vielem versöhnt hat. Unser Goldjunge Maritz ist auf die Beine gekommen, er ist zu einem äußerst sprachgewandten, liebenswerten, anstrengenden, zuckersüßen und quirligem, lauten Kleinkind geworden und wir sind unglaublich stolz auf ihn und glücklich ihn zu haben. Unser kleines Wunderbaby hat alles schwer ins wanken gebracht, die ersten Monate seines Lebens waren wirklich anstrengend, laut und von Verzweiflung geprägt. ABER – abgesehen von dieser kräftezehrenden Krankengeschichte – inzwischen ist er ein ganz liebes, fröhliches und genügsames Baby geworden. Er hat ganz früh angefangen aus vollem Herzen zu lachen und tut das mit Begeisterung, selbst unter gemeinen Umständen, und ich könnte verliebter nicht sein. Trotzdem: ich habe genug. 2016, vielen Dank für alles, was du uns gebracht hast – aber nun, nun darfst du gehen. Ich hoffe, das kommende Jahr hält schlichtweg weniger Krankenhausgeruch und weniger Sorgen um die Gesundheit der Kinder für uns bereit. Mehr brauch ich gar nicht, schätze ich. Ich bin sehr glücklich mit meinen drei Männern, und hoffe, 2017 ein wenig öfter dazu zu kommen, in die Tasten zu hauen… Wenn ihr denn mögt? Es muss sich ja schon ein wenig lohnen … ;-).

Euch allen einen guten Rutsch in ein spannendes, gesundes Jahr 2017!

Wieder am Leben

(…) Ich bin wieder am Leben
Zeit neue Wege zu geh’n
Ich hab soviel zu geben
Trag in mir Kraft für zehn
Ich bin wieder am Leben (…)

Wir haben September, die Sonne scheint vom strahlend blauen Himmel, und ich habe Zeit ein paar Zeilen zu tippen. Aus dem Babyphone ertönt das Geräusch der sanft wippenden Nonomo. Wie ist es uns ergangen, seit ich den Weltuntergang hier verkündet habe? Zugegeben, es war eine schwere Zeit. Ich scheine für den Baby-Blues erschreckend empfänglich, bei beiden Jungs wurde mir schnell alles zuviel, ich habe gezweifelt und hatte auf dieses neue Leben einfach so überhaupt gar keine Lust – oft habe ich überlegt, einfach beide wieder im Krankenhaus abzugeben. Natürlich nicht ernsthaft, aber allein der Gedanke …Ich wollte raus, wollte das alles gleich bitte danke so funktioniert wie ich mir das vorstelle – dass das nicht klappt, war wieder einmal eine bittere Erkenntnis. Das Hormon-Chaos hat sich nur langsam gelegt, aber jetzt ist es besiegt – jeder große Sturm zieht mal vorüber.

Mein Mann hatte noch eine lange Zeit frei. Das war gut. Und schlecht. Gut, weil wir so erstmal ankommen konnten, und weil das kleine Wunderbaby schrie. Und schrie. Und schrie. Meine Nerven haben das nur schwerlich mitgemacht, ich war wirklich kurz davor mich ans Jugendamt zu wenden zwecks Familienhilfe oder an die Kinderärztin zwecks Haushaltshilfe. Aber jeden Abend, wenn alles schlief, habe ich einfach versucht die Uhr wieder auf null zu stellen. Und irgendwie haben wir überlebt, ich weiss nicht genau wie, aber wir leben noch. Schlecht war es, weil mir immer mehr die Vorstellung davon abhanden kam, wie ich das jemals alleine schaffen soll. Und die Panik wuchs. Unaufhörlich. Aber wie sagt man so schön? Wenns muss, dann klappt das auch.

In den ersten Lebenswochen war mit dem Wunderbaby wirklich nicht gut Kirschen essen. Man konnte ihn weder ablegen, noch Auto fahren, noch spazieren gehen, noch sonst irgendetwas. Im Laufe der Zeit habe ich mir ein Herz gefasst und gelernt, wie man ein Tragetuch bindet – und, ohne mich selbst loben zu wollen, es hat von Anfang an sehr gut funktioniert und inzwischen fühle ich mich wie ein Profi. Zugegeben, ich musste mich echt am Riemen reißen und meine Ungeduld überlisten. Aber dann wurde alles besser. Das Wunderbaby schlief im Tuch. Und schlief. Und schlief. Morgens wurde er dort rein gepackt, und Abends wieder raus (nagut, mit ein paar nörgelige, motzigen Trink- und Wachphasen dazwischen). Wir fuhren Auto und haben einfach versucht über das schreiende Rückbankduett zu lachen. Hat mal mehr, mal weniger gut funktioniert. Abends kümmerte ich mich um Maritz, mein Mann nahm sich dem schreienden Wunderbaby an. Eine ganze Zeit lang schliefen wir getrennt. Ich konnte und wollte mich nicht um das Wunderbaby kümmern. Dem Himmel sei Dank hat der Papa das übernommen und souverän gemeistert. Wer sich an dieser Stelle fragt, wie der Papa denn stillen kann: auch der kleine Bruder wird nicht gestillt – alle Versuche das hinzubekommen scheiterten. Gott sei Dank habe ich mich damit aber nicht weiter belastet, sonst wäre ich bestimmt wirklich und ehrlich verrückt geworden.

Maritz hat die Ankunft seines kleinen Bruders für sein Alter wirklich gut weggesteckt. Natürlich ist er eifersüchtig, natürlich haut er auch mal nach dem nervigen, schreienden Baby. Aber oft fragt er auch, wo denn der (Name des Wunderbabys) ist, möchte ihn streicheln und küssen und halten, und hilft von seinem Lernturm aus beim wickeln und waschen. Ich bin wirklich stolz auf ihn, mein großer, kleiner Junge. Aber die viele Tragerei ging uns beiden an die Nieren. Manch einer versuchte mir zu erklären wie wunderbar flexibel ich doch so bin. Stimmt nicht. Denn das Wunderbaby wurde von jedem Pieps wach. Ich lief einfach nur herum, konnte kein bisschen mit Maritz spielen und mir taten schon die Füße weh. Einige Tränen habe ich geweint, weil ich meinen großen Jungen so furchtbar vermisst habe, obwohl er ja da war.

Ich schreibe in der Vergangenheit – weil sich vor zwei Tagen etwas grundlegend geändert hat (hoffentlich ist es nicht dumm von mir, dass so überschwänglich zu erzählen, aber für den Moment ist es so und ich hoffe es funktioniert noch lange): das Wunderbaby schläft ohne Mama. Ohne Tuch. In der Nonomo. Nein, natürlich nicht einfach so. Eines schönen (haha) Morgens, nachdem ich die halbe Nacht mit dem Wunderbaby durchgemacht habe, habe ich ihn in die Nonomo gelegt. Und gewippt. Und gewippt. 1,5 ewig lange Stunden. Meine Arme wurden lang und müde. Und dann wachte Maritz auf und sie wurden benötigt. Kaum hörte ich das Wippen auf, wurde das Baby wach. Wild entschlossen mietete ich eine automatische Feder von Swing2Sleep – und machte mir wenig Hoffnung. Ich schaltete also das Gerät ein, und … die Augen wurden immer kleiner, bis er schlussendlich einfach einschlief. Und stundenlang nicht wach wurde. Bisher hat es für jeden Schlaf funktioniert, und ich habe wieder beide Hände frei. Und muss meinen Großen nicht mehr vermissen. (Notiz an mich aus aktuellem Anlass: die Klingel ist zu laut. Neue kaufen.)

Natürlich schreit das Wunderbaby immer noch gerne. Und nicht wenig, vor allem ab 16 Uhr ist wirklich nichts mehr daran zu ändern. Aber man lernt, damit umzugehen. Auch wenn wir uns nichts mehr wünschen, als dass die vielen Schreistunden vorbei gehen. Und dass wir alle wieder gesund werden. Seit zwei Wochen sind wir nämlich alle krank, und vor allem der ganz Kleine leidet darunter. Abgesehen davon wachsen wir aber so langsam alle in unsere neue Rolle herein. Wir als Zweifach-Eltern, Maritz als großer Bruder und das Wunderbaby als kleiner. Eine vierköpfige Familie. Wow!

 

 

 

Hurra, Hurra wir leben noch!

Isses denn zu fassen? Noch ein Tag trennt mich von der vorübergehenden Erlösung. Dann hat der Papa nämlich nochmal drei wunderbare Wochen Urlaub. An das danach denke ich mal ganz bewusst nicht! Ich hatte ja so die leise Hoffnung, dass ich die fünf Tage ohne Papa rückblickend gar nicht so schlimm finden würde .. Naja, sie wurde jäh zerstört. 

Die gute Nachricht ist: wir leben alle noch. Aber die beiden Jungs sind – abgesehen davon, dass sie beide auf ihre Art und Weise wunderbar und herausfordernd sind – einfach nicht kompatibel. Ein winziger Säugling und ein Kleinkind haben so viel gemeinsam wie mein Bauch und der von Heidi Klum drei Wochen nach Geburt. Ein Säugling entschleunigt ungemein. Eigentlich wäre es am besten, sich einfach nach dem kleinen Menschlein zu richten und in den Tag zu leben. Ein Kleinkind ist dagegen ein schwindelerregender Alltagsbeschleuniger. Höher, schneller, weiter. Wie bekommt man also diese Gegensätze unter einen Hut? Hm, keinen blassen Schimmer. Meine einzige Mission war, beide Kinder und mich alltagstauglich zu machen und Maritz in der KiTa abzuliefern, möglichst innerhalb der Bringzeit. Und ich habs geschafft! Vom Wochenende mag ich nicht anfangen… Das war wirklich chaotisch. Vor allem der Sonntag – da arbeitet Papa zwölf lange Stunden und das Unmögliche musste irgendwie möglich gemacht werden … Das Wunderbaby hält es mit dem schlafen nämlich so: nur auf Mamas/Papas Arm oder in der Trage/dem Tragetuch. Mit der Schreierei nimmt er es auch sehr genau, ABER die Schreiberatung hat in sofern geholfen, als dass wir ihn nun deutlich leichter und schneller beruhigt bekommen. Halleluja, es kann WIRKLICH nur besser werden. Dachte ich. Bis heute morgen. Das lief nämlich so .. 

4:45 Uhr – das Wunderbaby ist wieder einigermaßen satt (länger als 3 Stunden hält er Nachts nicht aus, eher kürzer).

4:50 Uhr – Maritz dreht irgendwie durch, schreit nach Milch (ich wusste es, er hat keinen Happen zu Abend gegessen!) und entscheidet dann: aufstehen wäre cool. Da Mama das nicht möchte schreit er noch etwas lauter. Ich schwitze – hab Angst, dass er das Wunderbaby weckt … Hab aber auch Angst, dass er nicht mehr schläft und in der KiTa einen Unfall nach dem anderen baut, weil er sich nicht auf den Beinen halten kann.

6:15 Uhr – mehrere Bücher und gesungene Lieder später: ich konnte Maritz nochmal überzeugen zu schlafen. Hat ja gar nicht lang gedauert …

6:45 Uhr – das Wunderbaby ist halb verhungert und verlangt Frühstück.

7:00 Uhr – Mama!! Austehen! – Maritz erwacht. Das Wunderbaby schreit, die doofe Luft hängt quer. Chaos bricht aus .. 

Irgendwie schaffe ich es trotzdem zur KiTa und komme nass geschwitzt und nass vom Regen mit dem Wunderbaby wieder heim. Nach einer Stunde in der Trage lege ich ihn todesmutig in den Laufstall und werde mit offenen, wenig amüsierten Augen bestraft… Also legen wir uns auf die Couch und er schlummert selig 4,5 Stunden auf meinem Bauch. Meine Blase platzt, mein Poppes schläft. Egal. Hauptsache er kann schlafen. Und ich mal nur seinen Duft einatmen und mich um nichts anderes kümmern. Seltene Momente. 

Ich versuche also weiter, das Rätsel allein zu Haus mit zwei unter zwei zu lösen … Wenn jemand die Lösung könnt: ich höre genauestens zu. Idealerweise noch Schichtarbeiter-tauglich. Also auch Lösungen für das Procedere am Abend. Und Nachts. Wenn ihr, wie ich, keine Idee habt, nehme ich auch eine Tüte Mitleid. Oder Anerkennung. Oder Lob. Oder Hilfe. Oder aufbauende Worte. Oder … Ja, wir sind selbst schuld, ich weiß. Aber ich freue mich auf den Moment in dem ich meine beiden Jungs anschaue und denke:

Alles richtig gemacht. 

Machts gut, ihr Mamas, Papas, Kinderwünschler. Schön, dass ihr noch da seid.

PS: beide Kinder schlafen, ich hau mich aufs Ohr, wenn ich die fünf Kilo Haribo hier aufgegessen habe. Und das Popcorn. 

Driving home for Christmas …

Nein, ganz bekloppt bin ich (noch) nicht, aber ich wünschte wir hätten schon Weihnachten. Das Wunderbaby wird morgen drei Wochen jung, und hat uns schon mehr abverlangt als Maritz in 18 Monaten. Und das war schon nicht gerade wenig! Denn er schreit, stundenlang, quasi in Dauerschleife und sollte er mal kurz Luft holen: Repeat! Maritz stellt schon richtig fest: „immer weinen!“. 

Ja, immer weinen. So haben wir uns das natürlich überhaupt nicht vorgestellt. Die Momente in denen ich denke „wow, haben wir ein Glück! Zwei gesunde Kinder“ werden immer seltener. Statt dessen denke ich oft, ich habe klein Maritz etwas ganz furchtbares angetan. Ich vermisse unsere Exklusivzeit ganz fruchtbar, vermisse meinen kleinen Jungen, und die Sorge, dass er mich vielleicht genauso vermissen könnte, bringt mich um den Verstand. Ich kann weder dem schreienden Wunderbaby, noch dem die Welt entdeckenden Maritz gerecht werden. Und das fühlt sich gar fürchterlich an. Und nicht richtig. Ich dachte, es wird sich alles so richtig, so komplett und erfüllend anfühlen. Wer hatte mir da nur wieder die rosarote Brille aufgesetzt? Natürlich möchte ich ihn nicht mehr hergeben, er ist mein Kind, und ich liebe ihn. Aber die Bindung ist noch viel zerbrechlicher, viel zarter als bei Maritz in dem Alter. Nicht verwunderlich, denn das was ich in den kurzen Zeiten in denen er auf meinem Arm schläft an Liebe aufsage, verliert sich spätestens abends wieder in Erschöpfung und Traurigkeit. 

Mein Mann ist noch drei Tage zu Hause. Und dann, was dann? Wie soll der Alltag funktionieren? Es ist schon schwierig genug, die völlig unterschiedlichen Bedürfnisse eines winzigen Säuglings und eines wirbeligen Kleinkinds unter einen Hut zu bekommen. Aber wie funktioniert das dann erst, wenn der Kleine immer zu schreit? Ich weiß nicht, wie ich Maritz ins Bett bringen soll, während das Wunderbaby zu dieser Zeit seine Schreistunden pflegt. Maritz braucht Mama bei sich, kuschelnd. Und Mama braucht das auch. Das Wunderbaby mag nicht in die Trage. Es gibt also keine Lösung. Oder sehe ich sie nur nicht? Und das ist nur eins von vielen Dingen, die mir Sorgen machen, bei denen sich mein Magen umdreht und mir Tränen der Panik in die Augen schießen. Schwitzen tu ich dank der Hormone sowieso ganz schön… 

Oft lese ich hier rückwärts, um mich zu erinnern wie es bei Maritz war, um Kraft zu schöpfen aus dem Wissen, dass es vorbei geht. Aber ich finde keine derart verzweifelten Zeilen. 

Bleibt also nur, auf Weihnachten zu warten und auf Besserung zu hoffen. 

Einmal Hölle … Und wann zurück?

Okay, ja, das Wunderbaby ist erst eine Woche und zwei Tage alt, völlig logisch also, dass er noch keinen Rhythmus hat und überhaupt erst einmal auf dieser Welt ankommen muss. Aber wir fühlen uns wirklich etwas bestraft. Nicht mit dem Wunderbaby, um Gottes Willen, auch nicht mit Maritz – wie könnten wir uns mit zwei gesunden Kindern bestraft fühlen? Aber mit beider Kinder … „Schlaf“verhalten oder wie man es auch nennen mag. Ich kann mich ohnehin nicht erinnern, in den letzten 20 Monaten mal wirklich länger als fünf Stunden am Stück geschlafen zu haben, meist noch weniger. Die Batterien waren also bei der Geburt des Wunderbabys schon entsprechend leer. Aber das jetzt, das ist schon etwas wie Folter. 

Wir haben auch diesmal kein Glück – Abends braucht man hier Ohropax, das kleine Kind schreit wie am Spieß, und viel tun können wir nicht. Das kennen wir nun ja schon von Maritz, und könnten es sogar gut verkraften, wenn wir irgendwann mal schlafen dürften. Nebenher benötigt Maritz noch für jeden Schlaf stundenlange Einschlafbegleitung (wie soll ich das eigentlich machen wenn ich wieder alleine bin? Ein Kind schreit, eins will einschlafen…). So ohne Schlaf wird alles immer schwerer zu Händeln und die Nerven werden dünner. Wenn er sich also ausgeschrien hat und schläft, fallen wir auch ins Bett – das ist mal um 21, mal um 22, mal um 1 Uhr. Leider kommt er dann Nachts aus unerfindlichen Gründen alle zwei Stunden während es am Tage auch mal 3 Stunden sind. Bis ich wieder schlafe ist eine Stunde rum, und so komme ich an 30-60 Minuten Schlaf, wenn Maritz nicht dazwischen funkt. Tut er aber gerne. So kämpfen wir uns also durch die Nacht bis Maritz um 5/5:30 Uhr selbige auch noch für beendet erklärt. Geschlafen habe ich dann 2-3 Stunden, und diese nicht am Stück. Für mich ist dieser massive Schlafentzug die Hölle, und ich muss jeden Morgen bitterliche Tränen weinen. 

Ansonsten geht es allen gut. 

„… erst komm’n sie nicht, dann überfall’n sie dich …“ – Geburt

Dienstag, 26.7.2016 – ich habe akzeptiert, dass ich für immer schwanger sein werde. Morgen geht es wieder zum CTG, es hat sich noch NICHTS getan und der Befund ist geburtsunreif. Der Bauchzwerg ist extrem munter, und ich glaube nicht mehr daran, dass er irgendwie von ganz alleine auf die Idee kommt sich auf den Weg zu machen. Wir machen einen Großeinkauf, ich putze den gesamten Kühlschrank und freue mich wie sauber und ordentlich er danach ist. Es ist endlich nicht mehr so heiß und heute ist der erste Abend, an dem wir nicht alle total verklebt das Bedürfnis haben, einmal in die Wanne zu hüpfen. Irgendwie wird es Abends spät, und ich habe auch gar keine Lust mehr irgendwas in diese Richtung zu unternehmen. Nagut, ich hab mir schon das Gesicht gewaschen und die Zähne geputzt. Mein ungeduschtes Dasein verleitet mich zu ein paar Witzen „heute mal nicht geduscht – bestimmt kommt er jetzt!“ – hahaha. Wahrscheinlich hat er sich daraufhin so etwas gedacht wie: „Hach, Mama, wenn du wüsstest wie Recht du hast! Aber nun geht erstmal schön ins Bett, ich lass die Bombe später platzen …“. Um 20 Uhr jage ich mir mein Heparin in den Speck. Ein Fehler, wie ich später denke. Um 23 Uhr liege ich im Bett, und lese friedlich ein Buch, als die erste Wehe mich besucht. So ganz ernst nehme ich das noch nicht, und lese einfach weiter. Nebenbei tippe ich ein paar Nachrichten mit dem Handy, mein Mann schnarcht friedlich, der Große schlummert ebenfalls. Gegen Mitternacht wird es dann doch etwas seltsam …

Mittwoch, 27.7.2016 – ich fange an mich regelmäßig zu krümmen, und als ich begreife, dass es sich wirklich wahrhaftig um Wehen handelt wird mir etwas schlecht – oh nein, jetzt muss ich ein Kind auf die Welt bringen. Aber er soll raus, er darf raus, ich möchte dass er da raus kommt. Also löse ich als erstes den Knoten in meinem Kopf. Nicht krümmen, locker lassen, jede Wehe ist eine gute Wehe, eine Wehe die einmal da war kommt nie wieder, jede Wehe hilft. Wehenabstand: 3-5 Minuten. Ich tippe weiter Nachrichten mit dem Handy, meine liebe Freundin fordert mich auf meinen Mann zu wecken. Ich möchte erstmal duschen… Auf dem Weg zur Dusche entscheide ich mich um, und folge ihrem Rat. Dreimal muss ich ihn wecken, bis er den Ernst der Lage einigermaßen erkennt. Ich rufe meine Mama an, irgend jemand muss ja den Großen hüten. Sie hat kein Auto da, also schicke ich meinen Mann um sie abzuholen. Als er die Tür hinter sich zumacht, finde ich es schon etwas unheimlich so ganz alleine mit den Wehen, die ich schon veratmen muss, und Maritz. Also gehe ich ins Bad und wasche mich, ziehe mich um, mache mir die Haare und schminke mich. Irgendwas muss ich ja tun – die Kliniktasche steht bereit. Fünfzehn Minuten später sind Mann und Mama da, ich gebe ihr noch kurze Anweisungen für Maritz, schlucke einmal weil ich ihn einfach so mitten in der Nacht zurück lasse und wir machen uns zu Fuß auf den Weg in die Klinik. Ein Glück, dass die grauen Mülltonnen draußen stehen, so kann ich alle paar Meter diese fiesen Wehen veratmen. In meinem Kopf weiter das Mantra: Nicht krümmen, locker lassen, jede Wehe ist eine gute Wehe, eine Wehe die einmal da war kommt nie wieder, jede Wehe hilft. Um 1:50 Uhr klingel ich an der Kreißsaaltüre und sage „Hallo, hier ist die Frau eins, mein Kind möchte raus!“. Eine zuckersüße Hebamme öffnet uns die Tür, fragt zwei, drei Dinge und schlussfolgert: Da machen wir kein großes Tara mit Aufnahme und Wehenzimmer, ab in den Kreißsaal. In meinem Kopf daraufhin viele Fragezeichen. Und viele Ausrufezeichen!!!

Da sind wir also nach knappen 19 Monaten wieder in einem Kreißsaal. In einem anderen, in einer anderen Klinik, mit einer wunderbaren Hebamme. Muttermund 3-4 cm sagt sie, nur noch ein bisschen weit hinten, aber er liegt ja schon so tief, das sei großartig. Hä? Muttermund? Geht auf? Kind liegt tief? WANN IST DAS PASSIERT? Jetzt geht es Schlag auf Schlag, der Wehenabstand liegt nur noch bei einer knappen Minute, ich werd‘ kurz etwas verrückt und muss heulen. Schnell reiße ich mich zusammen, das Mantra wieder in den Kopf, nicht verkrampfen, weiter atmen. Puh. Ein Wehensturm sucht mich heim, bald verliere ich den Verstand, ganz bestimmt, ICH SCHAFFE DAS NICHT! Die Hebamme redet mit der Änasthesie, ob das mit der PDA nicht doch irgendwie geht. Es ist jetzt 3 Uhr. Der nette Herr kommt höchstpersönlich vorbei um mir zu berichten, dass ich das ohne PDA regeln muss. Er hat Mitleid mit mir, weil seine Nachricht mir ein paar Tränen beschert, spricht also nochmal mit seiner Kollegin. Bringt nix, sie sieht das genauso. Ich denke: OH GOTT! Das wird die Hölle, ich muss wieder einmal sterben, wie schon bei Maritz Geburt. Wie oft kann ein Mensch denn sterben? Dann ertönt die Stimme der Hebamme „Frau Eins, keine Panik, Sie schaffen das, er ist doch schon bald da!“ „Bald da? WIE BALD DA?“. Mich ereilt ein kleiner Panikanfall und ich denke schon an die Situation nach der Geburt: Wie ist das mit der Näherei, so ohne PDA? Dann wieder diese nette Stimme „Merken Sie denn einen Druck?“ „Ja, ja, JA verdammt, Druck, Schmerz, alles Scheiße, macht euren Mist alleine, ich mach das nicht!“ … sie tastet, ich möchte sie erschlagen, überlege es mir aber anders … „Doch, doch, das müssen Sie jetzt, der Kleine WILL DA JETZT RAUS! Ich rufe mal den Arzt zur Geburt.“ „Wäh? Geburt? Bin doch gerade erst angekommen, wir hatten besprochen, dass ich nach einer halben Stunde CTG nochmal auf Toilette gehe und so …“ „Bei der nächsten Wehe dürfen sie pressen!“ „Press…??“ Wehe kommt. Ich presse, habe keine PDA – was ein Glück, ich weiss GANZ genau wo ich hin pressen muss. Was für ein Gefühl, bei Maritz hatte ich keine Ahnung. Ich nehme nochmal alle meine Kratf zusammen, von der ich zum Glück diesmal noch genug habe, und folge konzentiert den Ansagen der Hebamme. Nach zwei Presswehen, in denen ich jeweils dreimal ordentlich presse, ist der Kopf gebohren. Himmelarschundzwirn, bitte, lieber Gott, schick mir die nächste Wehe, sonst verbrennt mir alles. Oder zerspringt, oder was auch immer. Gott sei Dank, sie kommt, ich presse.. einmal, zweimal, dreimal .. und.. fladderadatsch, unser Wunderbaby ist geboren! Sofort bekomme ich ihn auf den Bauch gelegt, er ist ganz warm, nass, glitschig und blau. Es ist 3.52 Uhr. Er quietscht, schreit aber gar nicht. Alles gut, versichern mir Arzt und Hebamme. Mein Mann darf unsere Verbindung trennen und kappt die Nabelschnur. Ich starre das kleine Bündel an, und … verstehe mal wieder überhaupt nix. Seufz, hallo, wo bleibt die Glockenmusik, der Konfettischauer, die Fanfaren, die überwältigende Liebe und so? Also, es geht uns nicht schlecht, die Stimmung ist prima, ich mache ein paar Scherze, wir filmen und fotografieren. Ich rede mit dem Wunderbaby, betrachte seine kleinen Finger, kühle meine Stirn mit einem kalten Waschlappen und bin glücklich, glücklich und stolz, es geschafft zu haben. Entschädigt für den ersten Geburtsalbtraum. Ich frage den lustigen Arzt, wieviel Metzgerarbeit wohl nötig sei. Er sagt, geht so, wir sollen erstmal schön kuscheln. Das Wunderbaby sucht, ich lege ihn an, die Hebamme schaut kurz und entschwindet gemeinsam mit dem Arzt. Irgendwann sind alle wieder da, ich werde genäht, das Wunderbaby gewogen und vermessen, ich darf in mein Bett umziehen und werde zusammen mit Mann und Kind in einen anderen, gemütlichen Raum gefahren, wo wir noch zwei Stunden gemeinsam verbringen dürfen, bevor wir auf Station gebracht werden.

„Es ist so ’ne Sache mit den Wundern,
erst komm’n sie nicht,
dann überfall’n sie dich.
Du brauchst dich nicht zu wundern,
Wunder fragen nicht, sie fragen nicht.“

Inzwischen sind wir zu Hause – zu viert! Die Situation ist … schwierig, dazu aber ein ander mal mehr, wenn mich die ganzen Hormone nicht mehr so im Griff haben, und ich diesen dämlichen Blues, der sich bei mir anscheinend immer sehr wohl fühlt, los bin. Eines steht fest: Mit dem Thema Geburt bin ich versöhnt, und darüber bin ich sehr glücklich. Und ich bin auch ein klitzekleinesriesiges bisschen stolz auf mich, ich hätte nicht gedacht, dass ich es schaffe, mich so auf die Geburt einzulassen und alles zu meistern. Diesen Beitrag habe ich mit Dauergeschrei im Ohr getippt, und bin jetzt wirklich müde. Das Geschrei hält aber noch an, also drückt mir die Daumen, dass wir bald alle schlafen können.

 

Jetzt aber mal raus da … (40+1)

… junger Mann! Ein kleines Lebenszeichen von uns: das Julibaby verweilt noch seelenruhig in meinem Bauch. Bisher macht er auch keinerlei Anstalten auszuziehen. Verrückt, Maritz war zu dem Zeitpunkt schon einen Monat alt! Ich bin wirklich glücklich dass es diesmal so gut lief, aber ich wäre auch nicht traurig, wenn er sich jetzt auf den Weg machen würde. Drückt die Daumen, noch ca. eine Woche bis zur Räumungsklage … 

36+x – ganz neue Gefilde 

Die Zeit rast, während der letzte Beitrag hier immer älter wird. Es war aber viel zu viel los, um all das noch in möglichst spannende Worte zu fassen – und ob mir das mit dem spannend gelingt, ist äußerst fragwürdig. Es war eben ein Kinderwunschblog… Und seit dem nicht mehr so ist, bin ich auch keine gute Autorin mehr. Es war für mich ein leichtes meine ganzen Gefühle während der Achterbahn des Kinderwunsches aufzuschreiben, jetzt ist es irgendwie nicht mehr so und mich langweilt mein Geschreibsel selbst. Aber gut – Gott sei dank ist ja niemand gezwungen zu lesen. 

Inzwischen haben wir den Zeitpunkt von Maxi-Maritz Geburt überschritten und ich bin noch schwanger. Ziemlich schwanger. Die Vorstellung, dass da ein fertiges Baby in meinem Bauch wohnt – und die ist durch die frühere Geburt sehr genau – ist irgendwie völlig verrückt. Aber es darf da auch noch bleiben, zwei Wochen – danach ist mir alles recht, Hauptsache es wird einfacher als damals. Damals … das ist jetzt auch ein bisschen übertrieben. Der kleine Mann ist schon jetzt im Bauch ganz anders als sein großer Bruder und ich bin gespannt, wie es dann erst ist wenn er auf der Welt ist. Auch in dieser Schwangerschaft bin ich sehr stolz auf die hübsche Murmel die ich durch die Welt schiebe, aber auch deutlich erschöpfter. Oft stelle ich fest: Gott, war es ein leichtes arbeiten zu gehen. Das Leben mit Klein(st)kind ist eben doch was ganz, ganz anderes und körperlich eine riesengroße Anstrengung.  Aber wir sind bis hierher gekommen und alles andere ist für mich jetzt ein Bonuslevel. Die Tasche ist jedenfalls gepackt, und bald kann es losgehen. Übermüdet werde ich ohnehin sein, schlafen war seit seiner Geburt noch nicht Maritz Spezialität. Dazu die Schwangerschaft und die Krankheiten – zum Glück gibt es Kaffee, und Concealer. 

Der große Bruder hat von all dem keine Ahnung. Er versteht wirklich viel, und redet auch viel, aber wie soll ein Kind seines Alters etwas begreifen, was ich ja selbst nicht so ganz verstehe? Ansonsten geht es ihm gut, wenn ich von den Infekten die er uns aus der Kita (dort geht er seit ein paar Wochen hin – aber ich werde das kontroverse Thema U3-Betreuung hier nicht breittreten) mitbringt mal absehe. Gerade hat er wieder einen eingeschleppt und wir haben alle etwas davon… Das größte Highlight ist wohl, dass er sich nun doch noch entschieden hat, laufen zu lernen. Mit 17,5 Monaten hat er seine ersten Schritte gewagt, jetzt mit 18 Monaten wird er langsam mutiger. Ich bin gespannt, ob er bis zur Geburt seines Bruders tatsächlich läuft.

Wir spielen dann mal weiter in unserem Bonuslevel und freuen uns über jeden Tag, den der Winzling noch in seiner Bauchwohnung wohnt.

Das ist wie mit dem Regenschirm …

Schlagwörter

, , , , , , ,

… kennt ihr das? Ihr nehmt einen Regenschirm mit nach draußen, wochenlang belagert er eure Handtasche. Nie regnet es. Erst an dem Tag, an dem ihr entscheidet, ihn zu Hause zu lassen, erhaltet ihr eine ordentliche Gratisdusche.

Naja, jedenfalls habe ich vor einiger Zeit einen Erste-Hilfe-Kurs für Babys und Kleinkinder besucht. Wild entschlossen, mir auch mal das empfohlene Youtube-Video zu Pseudo-Krupp anzusehen und mir alles nochmal ganz genau durchzulesen, kam ich danach nach Hause und berichtete dem Maritz-Papa  was ich gelernt habe. Gelesen habe ich dann wirklich nochmal, geguckt nicht. Und so kam, was kommen musste. Maritz ereilte ein Pseudo-Krupp-Anfall. Erstaunlich gelassen entschied ich danach, die Klinik aufzusuchen. Ich habe allerdings nicht an Pseudo-Krupp gedacht, sondern an die blöde Tomate, an der er sich so dolle verschluckt hatte, und sah ihn schon in den OP wandern weil da ein Stückchen in der Lunge festsitzt… Als dann der Arzt endlich kam, und den fröhlichen Maritz anschielte, schoss also meine wilde Vermutung und meine Beschreibung aus mir heraus und er höhrte geduldig zu. Auch versuchte ich, diesen Anfall nachzumachen (haha, kann man nicht). Und irgendwie nahm er sogar die Tomaten-Sache ziemlich ernst. Bis er begann Maritz zu untersuchen. Er ist da SEHR unkooperativ und fing sofort schonungslos an zu brüllen. Und zu giemen, zu pfeifen, zu japsen. Schnell war die Sache eigentlich klar – aber er horchte, und horchte, und horchte um mir nachher alles ganz genau zu erklären. Was für ein Goldstück, dieser Arzt. Wir gingen also heim, und durchwachten die Nacht mit FÜNF weiteren Anfällen. Es war bitterkalt draußen, aber das war das Einzige, was half. Heute sitze ich hier alleine, der Papa ist im Dienst, und bei jedem kleinen Husten rutscht mir mein Herz in die Hose. Außerdem ist Maritz sowieso krank, und eine Bindehautentzündung hat er obendrein. Ist ja nicht so, als hätten wir dieses Jahr nicht schon diese fiese Mittelohrentzündung und vor nichtmal zwei (!) Wochen den Harnwegsinfekt auskuriert …

Lange Rede, kurzer Sinn: ich fühle mich gerade vom Leben betrogen. Keine Hebamme, dauerkrankes Kind, und seit laaaaangem kaum geschlafen. Nicht zu vergessen, die Murmel die ich mit mir herum trage. Und irgendwie noch keine Sekunde genießen konnte, und bald schon wieder abgeben muss. Nö, gefällt mir alles nicht.

Danke an alle, die die Jammerei bis hierher ertragen haben. Ich gehe dann mal weiter bibbern und zittern, um im Ernstfall absolute Ruhe und Tiefenentspanntheit auszustrahlen und ihn schnell zu beruhigen … 284375 Decken liegen neben der Balkontür bereit.