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Dafür raffe ich meine müden Knochen auf und versuche, die Worte zu finden, die diese Zeit verdient hat: Maritz ist DREI Jahre alt geworden. Das sind sechsunddreißig Monate. Ist das zu glauben? Ich erinnere mich noch an diesen einen Tag im Winter 2013: nach mehrern Zyklen GvnP wird klar, dass wir so nicht viel weiter kommen werden. Wir waren nicht verheiratet, und ich war sowieso noch zu jung für die Krankenkasse. Meine kleine Welt ist erstmal über mir zusammen gebrochen. Wir haben noch am gleichen Tag wichtige Entscheidungen getroffen, im April habe ich die magische Altersgrenze von 25 Jahren erreicht, im Mai wurde geheiratet. Dann ging es in den Urlaub und danach waren wir nicht mehr zu stoppen: Erste ICSI, zweite ICSI, erste Kryo, zweite Kryo. Zwei Abgänge, zweimal negativ. Viele Tränen, viel Kampfgeist. Dann der Klinikwechsel – dritte ICSI – POSITIV!! Unser Wundermaritz war auf dem Weg. Ein holpriger Start mit vielen Ängsten, eine wunderschöne Schwangerschaft, die zu früh endete. Am 22.12.14 war er da, bei uns, in unseren Armen, unser Baby. Etwas, das für mich bis heute unbegreiflich ist.

Seit dem sind drei chaotische Jahre vergangen. Ich meine, wow, genau so lange dauerte unser Kinderwunsch-Weg. Und der fühlte sich viel, viel länger an. Aus dem kleinen, keine drei Kilo leichten Baby, ist ein laufender Meter geworden, der den Mund nicht halten kann. Wenn er nicht redet, und das kann er nach wie vor wahnsinnig gut, dann singt er. Wenn er nicht redet und nicht singt, dann heult und tobt er. Ja, er tobt oft zur Zeit, schläft schlecht und raubt mir gemeinsam mit seinem teuflischen Bruder die Nerven. In den letzten vier Nächten, in denen mein Mann Nachtdienst hatte (es folgen noch drei!), komme ich auf insgesamt maximal 12 Stunden schlaf. Aber das ist ein anderes, katastrophales Thema – vielleicht führe ich das bei Zeiten mal genauer aus. Zurück zu Maritz – er hat motorisch aufgeholt. Er rennt, er hüpft, er hoppst, er fährt Laufrad wie der Wind, er tobt und klettert. Alles weniger ausdauernd als seine Altersgenossen, aber man kann ja nicht alles können. Vielleicht wird er mal Politiker – die reden doch auch gerne und viel. Er ist verflucht schlau und aufmerksam, sensibel und kuschelbedürftig, frech und wild und wunderbar. Eine Feuerwehr von playmobil hat er sich zu seinem Geburtstag gewünscht. Ein HALBES JAHR hat er geduldig auf den Tag der Tage gewartet. Es hat fast ein Jahr gedauert bis er in der KiTa so richtig richtig angekommen ist – eigentlich so lange, bis er von der Krippe in die Kindergartengruppe gewechselt ist – das war im August. Ganz langsam begreift er, dass Papa immer eine Woche so, eine so, eine so … arbeitet. Wenn Spätschicht-Woche ist, tut er sich trotzdem noch schwer. Er liebt seinen Papa! Ich auch. In diesem Sinne: Alles Gute zum DRITTEN Geburtstag, mein Schatz. Du hast mich zur Mama gemacht, unser Leben auf den Kopf gestellt, bist mir mit das wichtigste auf der Welt. Eine Liebe, die nie endet!

Und wenn wir schon bei Liebe sind, kommen wir zu einer etwas komplizierteren Liebesgeschichte: dem kleinen Bruder. Dass er uns alles abverlangt, laut und wild ist, ist ja nichts neues. Aber uff, er schafft mich. Er schafft uns. Uns alle drei. Manchmal denke ich, er ist der Teufel in Menschengestalt. Ein wirklich hübscher Teufel. Ich liebe den kleinen Teufel, sehr sogar, aber manchmal frage ich mich, was seine Mission ist. Wenn ihm was nicht passt, und wow – ihm passt VIELES nicht. Dann schreit er, und zwar so lange, bis er bekommt was er will. Dass das nicht immer geht, ist ein Problem – es wird viel geschrien. Sehr viel. Er hat inzwischen sechszehn Zähne, die unser Schlafdefizit beachtlich vergrößert haben. Vor zwei Wochen hat er entschieden, dass die motorisierte Nonomo ihm nicht mehr gefällt. Seit dem schläft er tatsächlich im Bett. Nicht immer in seinem – aber er wippt nicht! Dann fing er wieder mit der Zahnerei an, und das bringt – wie immer schon – etliche durchzechte Nächte mit sich. Leider auch für Maritz, was mich besonders wurmt. Aber naja, er könnte einfach in seinem Bett bleiben, dann würde er nicht immer stundenlang neben uns sitzen und müde aus der Wäsche schauen … Das Wunderbaby ist jedenfalls jetzt 17 Monate alt. Fast einskommafünf JAHRE. Ich habe nie zuvor so wenig geschlafen, meine Nerven waren nie dünner, ich musste mich nie zuvor so oft darauf besinnen ruhig zu bleiben, und noch nie hat mich ein so kleiner Mensch so an meinen Grenzen gebracht – und er hat immerhin einen großen Bruder. Mit dem er streitet. Und streitet. Sie schubsen, hauen, kratzen sich. Und sie lieben sich. Und sie finden sich blöd. Und sie lachen zusammen, und sie weinen. Und sie sind eines immer: LAUT. Seit das Wunderbaby da ist, stellt sich ab einer gewissen Tonhöhe (nur bei SEINER Stimme) ein Rauschen in meinen Ohren ein. Ich habe den Kitastart herbeigesehnt, und hatte gehofft es würde alles ganz einfach werden, ich könnte mich etwas erholen und den Kindern dadurch wieder mit mehr Ruhe und Gelassenheit begegnen. Besonders dem Kleinen. Die Eingewöhnung war ein Totalausfall, er hat nur geheult obwohl ich dabei war. Eines Tages ging es dann, und somit ging auch ich das erste mal weg. Nach zweieinhalb Wochen. Das war vor vier Wochen. Heute war der erste Kita-Tag seit dem 21.12.2017 und er war empört. Wie kann ich ihn nur an so einen schlimmen Ort bringen? 😉 – ich bin sicher er hat sich sofort gefangen als ich nicht mehr in Sichtweite war. Mir fällt es schon schwer, ihn tobend dort zurück zu lassen, aber: ich kann nicht mehr. Ich kann ihn nicht mehr 24/7 betreuen. Wer das unerhört findet, darf einfach nicht weiterlesen… Ich möchte dieses Jahr wieder arbeiten, und im Moment würde ich das nicht schaffen. Ich erhoffe mir wieder etwas auf die Beine zu kommen bis dahin. Um mal von seinen guten Seiten zu sprechen: Er lacht SO viel, aus tiefstem Herzen, mit dem ganzen Gesicht. Er fängt langsam das sprechen an, manche Worte klingen zuckersüß. Wenn er Durst hat ertönt es stets: Gingken! Gingken! Wenn er etwas besonders toll findet sagt er: Mojal! Mojal. Und wir spielen es nochmal. Er flirtet wie ein großer, ist everybodys Darling, alle die ihn treffen sind verzückt, und wundern sich vermutlich weshalb meine Augen so rot sind wie Lucifers. Er kann laufen seit er 14,5 Monate ist und hat wahnsinnige O-Beine – jeder fragt, was wir da machen. Außer jene, die sich auskennen. Er kann rennen, toben, klettern (er bringt sich alle zwei Minuten in Lebensgefahr!), Treppen steigen. Er würde gerne fliegen und hüpfen – an letzterem lässt sich was machen. Er ist ein richtiges Draußenkind, schleppt ständig seine Schuhe an. Wenn wir draußen sind, ist er zufrieden, ausgeglichen und wirklich eine Wonne. Bis wir wieder rein wollen … Er spielt mit allem gerne, mit dem der große Bruder spielt. Umgekehrt genauso. Die beiden sind wirklich richtige Streithähne, und ich warte auf den Tag, an dem das irgendwie besser wird. Aber ob es den überhaupt gibt?

Es gibt sicher noch viel zu erzählen, aber zum einen liest es vermutlich dann keiner mehr und zum anderen fallen mir die Augen zu – um 10.15 Uhr. Und ich werde jetzt einfach schlafen. Mein Herz ist randvoll mit Liebe und Dankbarkeit. Aber ich bin müde.

Danke 2017, für alles was du uns gegeben hast. Danke, dass du uns nichts genommen hast. Ein frohes, gesundes neues Jahr euch allen die ihr hier noch übrig geblieben seid. Mögen all eure Herzenswünsche sich erfüllen, viele Babies endlich den Weg zu ihren Eltern finden, und die, die schon da sind stets gesund und glücklich sein. Und vergesst euch selbst dabei nicht! Bis ganz bald.

 

 

 

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